Umnutzung Felix Platter-Spital

2018 —

Basel

Felix Platter – die Ikone der 60er Jahre

Das Felix-Platter-Spital ist eine architektonische Ikone der 60er Jahre, freistehend in einer parkähnlichen Anlage. Das Gebäude war für seine Zeit wegweisend, nicht nur in seiner inneren Organisation, sondern auch in seiner formalen Ausgestaltung. Die umlaufenden Deckenbänder wecken Erinnerungen an Kreuzfahrtschiffe, Betonfüllungen und die eingefalteten Elemente werden von erkerartigen Risaliten überlagert und bringen das vertikale Element in die Fassaden. Das breitausladende Erdgeschoss verankert das Bettenhochhaus am Ort.
Der Korridor mit der eingebauten Servicezone vermittelt zwischen Öffentlichem und Privatem. Diese ursprünglichen Qualitäten gilt es neu zu entdecken und für die vorgesehene Nutzung zu interpretieren. Substanzerhalt ist ebenso ein Ziel wie auch den richtigen Nutzer für das Haus zu finden. Denn nur so kann ersteres erreicht werden.

Wertschätzen, anpassen und nutzen

Im Gebäude aus den 60er Jahren erkennen wir viel gestalterische Qualität, welche durch verschiedene nachträgliche Adaptionen zum Teil verloren gegangen ist. Diese verlorenen Qualitäten sollen mit möglichst geringen Eingriffen wieder hervorgeholt und teilweise für die neue Nutzung uminterpretiert werden. Die Gestaltung der Volumetrie als Solitär, die Fassaden, die Spitalzimmer mit den verschiedenen Ausblicken und der inneren Organisation (Typologie) sind aussergewöhnlich hochwertige und unwiederbringliche Zeugen der Zeit. Sie haben eine Ausstrahlung, sie verkörpern und vermitteln Zeitgeist und sie lassen uns unabhängig vom wissenschaftlichen Wert Erinnern und Wahrnehmen. Direkt vermitteln sie den künftigen Mietern Identität und Atmosphäre und damit einen zusätzlichen Nutzen. Der Geist der 60er-Jahre ist noch an vielen Orten erfahrbar, er liegt nicht nur im Volumen oder in den Fassadenelementen, sondern auch im Fenstergriff und im Material.
Die Faltung der Fassade und die Erker verleihen dem Haus innen wie aussen ein prägendes Gesicht. Dieses war der Ausgangspunkt des von uns vorliegenden Entwurfes, der in der Folge die Typologie, die innere Erschliessung, die Zugänge und die äussere Erscheinung wertschätzt und feinfühlig in die neue Nutzung überführt – in Respekt vor dem Bestand und mit den nötigen Anpassungen für das gemeinschaftliche Wohnen.
Das gemeinschaftliche Wohnen ist Teil eines Spitals aber auch einer Genossenschaft. Viele Leute suchen ein Umfeld, in dem sie soziale Kontakte pflegen können. Das Spital als Typologie bietet sich geradezu an. So bleibt der Korridor erhalten und bildet weiterhin das verbindende Element der neuen Bewohner. Sie finden und teilen eine wertvolle Nachbarschaft.

Städtebau

Das Felix-Platter-Spital ist eine architektonische Ikone der 60er Jahre und nimmt durch seine Position als Solitär im Park, wie auch durch seine 9 Geschosse eine wichtige Rolle im Quartier ein. Die geplante Bebauung unterstützt diese Rolle und lässt das umgebaute ‚Felix-Platter-Haus‘ zum Quartierzentrum werden. Ein neuer Platz vor dem Haus als zentrales Element und Begegnungsort im Quartier sowie eine Durchwegung der Anlage binden die umliegenden Wohnbebauungen an das Objekt an und bieten damit die Möglichkeit von identitätsstiftenden Nutzungen, die dem Quartier dienen. Der Neubau des Spitals kann in symbiotischer Weise vom neuen Angebot profitieren. Auf eine querende Halle wird bewusst verzichtet und damit die Aussenräume klar den verschiedenen Nutzungen zugeordnet.

Aussenraum

Über einen neuen Quartierplatz gelangt man zum Eingang des Multifunkionshauses. Ein Café bespielt den Platz vor dem Haus und belebt diesen. Neuangelegte Wege dienen der Quartierquerung und erschliessen die grosszügigen Grünräume auf der Südseite des Objektes. Zwischen den Gebäudekörpern auf der Südseite entstehen die Gärten für Kita, Veranstaltungssaal und Wohngruppen. Diese fliessen mit dem Park zusammen und sind aus dem zentralen Erschliessungskorridor für die Bewohner zugänglich. Das Haus soll in seiner ursprünglichen Erscheinung wieder hergestellt werden. Zusätzliche Anbauten werden zurückgebaut, das markante Betonraster neu verglast und die gefaltete Südfassade wird ertüchtigt. Die heutige Eingangsfassade soll auf Ihrer ursprünglichen Ebene neu erstellt werden. Eine Ikone erhält Ihren Glanz zurück.

Eingangshalle

Über gestockte Betonplatten kommt man an der Aussenbestuhlung des Cafés vorbei in die vorgelagerte Halle. Die neue Aluminiumfassade welche grosszügig geöffnet werden kann, gibt diesem Raum wieder ein Vordach, welches vor Sonne und Regen schützt, und vor allem den Innenraum nach aussen fliessen lässt. Durch eine Doppelflügeltür wird das Haus betreten. Die Eingangshalle ist das Herzstück des Hauses und des Quartiers. Ein Tresen aus Eichenholz übernimmt die Funktion des Counters, der Bar, einer Bibliothek und einer Verkaufstheke. Die grossen Kronleuchter geben der Halle den Glanz vergangener Zeiten wieder und geben einem das Gefühl einer Hotellobby. Dies wird durch die loungeartige Möblierung noch verstärkt.
Am Treppenhaus vorbei gelangt man in den querliegenden Korridor. Die verglasten Vorräume lassen einen Blick in die Zwischenhöfe zu und geben dem Korridor Tageslicht. Hier befinden sich Nutzungen wie Kita, Saal, Fitness und gemeinschaftliches Wohnen. Über drei Treppentürme gelangt man in die oberen Geschosse.

Bauherrschaft
→ wohnen&mehr Baugenossenschaft
Auftragsart
→ Studienauftrag
Bauvolumen nach SIA 416
→ 86'420 m3
Baukosten BKP 2
→ 58 Mio.
In Zusammenarbeit mit:
→ 0815 Architekten, Biel

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